VERS 288 - 307 ZURÜCK TITEL INHALT VOR PDF MOKṢA ODER BEFREIUNG KAPITEL 9 Samayasâra
Dann betritt Mokṣa die Bühne.
288. – 290. Wie eine Person, die für eine lange Zeit in Fesseln gewesen ist, gewahr sein mag über die Wesensart ihrer Gefangenschaft/Bindung, intensiv oder schwach, und ihre Dauer jedoch so lang, dass sie nicht irgendeine Bemühung macht sie zu brechen, gelangt sie nicht selbst frei von den Ketten, und mag so für eine lange Zeit zu verbleiben haben ohne Freiheit zu erlangen. Gleicherweise eine Person mit karmischer Bindung, selbst wenn sie das Wissen der Ausdehnung, der Wesensart, der Dauer und der Stärke der karmischen Bindung hat, nicht Freiheit (durch dieses blosse Wissen) erlangt, aber sie erhält vollständige Freiheit, wenn rein im Herz.
KOMMENTAR
Das Selbst und Bindung voneinander zu trennen wird genannt. Einige behaupten, dass bloss Wissen von der Wesensart dieser Bindung fähig ist, mokṣa oder Befreiung herzustellen. Aber dies ist falsch. Gerade so im Fall einer Person in Ketten, blosses Wissen über die Ketten ist unwirksam in Sicherung seine Freiheit, so auch das blosse Wissen über die Wesensart von karmischer Bindung unwirksam ist in Sicherung seiner spirituellen Befreiung.
Als nächstes wird es klargelegt, dass blosses Denken über den Ablauf und Entwicklung von karmischer Bindung nicht zur Befreiung des Selbst führt.
291. Wie durch (blosses) Denken über Bindung jemand in Fesseln gebunden nicht befreit gelangt, so auch das Selbst durch ledigliches Denken über (karmische) Bindung nicht mokṣa erlangt.
KOMMENTAR
Andere behaupten, dass die Konzentration des Geistes auf den Gedanken über Bindung selbst die Ursache von mokṣa oder spiritueller Befreiung ist. Auch diese Ansicht ist falsch. Durch blosse Gedankenkonzentration auf Bindung kann jemand nicht Befreiung erlangen, gerade wie konzentrierte Aufmerksamkeit auf Fesseln nicht Freiheit für die Person in Ketten erlangen kann.
Was ist dann die Ursache für Befreiung? Die Antwort wird unten gegeben.
292. Wie jemand in Fesseln gebunden nur über die Fesseln zu brechen Freisetzung erlangt, so erreicht auch das Selbst Befreiung nur durch (karmische) Bindung zu brechen.
Wie ist dies zu bewirken? Die Methode wird unten gezeigt.
293. Wer auch immer mit einem klaren Wissen über die Wesensart von karmischer Bindung als auch die Wesensart des Selbst, nicht angezogen durch Bindung gelangt – diese Person erzielt Befreiung von karmas.
KOMMENTAR
Somit ist die direkte Ursache für Befreiung bestimmt die Trennung des Selbst und der Bindung voneinander zu sein.
294. Das Selbst und Bindung werden durch ihre eigentlichen und unterschiedlichen Eigenschaften unterschieden; durchgeschnitten vom Instrument von unterscheidender Weisheit, fallen sie entzwei.
KOMMENTAR
Das Attribut des Selbst ist reines Bewusstsein und das Attribut der Bindung ist die unreinen Gefühle von Zorn, usw. gegründet auf falschem Glauben. Diese zwei durch gedankliche Verbindung gelangen miteinander identifiziert. Diese Identifikation des Selbst mit unreinen Gefühlen wegen karmischer Bindung ist die Grundlage für das empirische Selbst im saṁsâra. Diese zwei Wesenheiten, das Selbst und karmische Bindung, charakterisiert durch ihre eigenen eigentlichen Eigenschaften sind seit unerinnerbarer Zeit zusammen verbunden. Diese unheilige Allianz muss aufgebrochen werden. Was ist das wirksame Instrument, um diese zwei voneinander zu schneiden? Solch ein Instrument wird gesagt, die unterscheidende Weisheit zu sein. Diese unterscheidende Weisheit realisiert völlig die reine Wesensart des Selbst und seinen eigentlichen Unterschied von den unreinen Gefühlen wegen Bindung, und hilft das Selbst die letztere abzulehnen und sich selbst herauszuziehen. Dieser Ablauf das Selbst von karmischen Gefühlen zu isolieren, wenn einmal durch unterscheidende Weisheit ausgeführt, hält die zwei Wesenheiten dauerhaft voneinander.
Was sollte getan werden, nachdem die Trennung des Selbst und Bindung ausgeführt ist, wird unten angegeben.
295. Wenn das Selbst und Bindung, welche durch ihre eigentlichen und unterscheidenden Attribute unterschieden werden, so getrennt sind, dann durch vollständiges wegwerfen aller Bindung, sollte das reine Selbst verwirklicht werden (müssen).
Somit wird es betont, dass das genaue Ziel der Trennung der zwei das reine Selbst zu verwirklichen ist, durch Abschütteln aller Bindungen. Als nächstes wird es klargelegt, wie dieses Ziel der Selbstverwirklichung zu erreichen sein wird.
296. Wie wird das Selbst verwirklicht? Das Selbst wird durch unterscheidendes Wissen verwirklicht. Gerade wie es durch unterscheidendes Wissen getrennt wird, so wird es durch das genau gleiche unterscheidende Wissen verwirklicht.
Wie wird das Selbst durch unterscheidendes Wissen verwirklicht? Die Antwort wird unten gegeben.
297. Dieses (reine) bewusste Wesen, welches durch unterscheidende Weisheit begriffen wird ist in Wirklichkeit das „Ich“. Was auch immer für Gefühlszustände (daneben) verbleiben, sind alle gewusst zu werden anders als „meine“ zu sein.
Gerade wie reines Bewusstsein, reine Wahrnehmung und reines Wissen beschrieben sind, die eigentlichen Attribute des reinen Selbst zu sein.
298. Dieser Seher, der durch unterscheidende Weisheit begriffen wird, ist in Wirklichkeit das „Ich“. Was auch immer Gefühlszustände es (daneben) sind, sind alle gewusst zu werden, anders als „mein“ zu sein.
299. Der Wisser, der durch unterscheidende Weisheit begriffen wird, ist in Wirklichkeit das „Ich“. Was auch immer Gefühlszustände (daneben) verbleiben, sind alle gewusst zu sein, anders zu sein als „mein“.
KOMMENTAR
Wenn das reine Selbst von der Wesensart von bewusster Einheit ist, wie kann er der Seher und der Wisser sein? Ist nicht seine Wesensart diese zwei Aspekte übertreffend? Nein, Wahrnehmung und Wissen sind nicht Attribute durch das höchste Bewusstsein übertroffen zu werden, weil sie die Attribute des höchsten Bewusstseins selbst sind. Wenn dieses höchste Bewusstsein diese Attribute zu übertreffen hat, wird es eine leere Abstraktion werden, denn da kann nicht Wirklichkeit ohne Attribute sein. Dieses universale Postulat, keine Wirklichkeit ohne seine Attribute, ist auch auf die höchste Wirklichkeit anwendbar. Infolgedessen ist eine attributlose Wirklichkeit bloss nichts. Wiederum, wenn es für Argumentes willen angenommen wird, dass ein allgemeines Substrat auch nach der Eliminierung seiner Attribute bestehen kann, selbst dann würde die Haltung unhaltbar sein. Denn Bewusstsein ohne die Attribute von Wahrnehmung und Wissen werden praktisch eine nicht-bewusste Wesenheit werden, welche nicht die Wesensart des Höchsten Selbst sein kann. Infolgedessen müssen Wahrnehmung und Wissen insofern als sie aus der Manifestation von reinem Bewusstsein resultierende Attribute sind, betrachtet werden die eigentlichen Eigenschaften des reinen Selbst zu sein, da sich manifestierende Wesenheit nicht verschieden von der Manifestation sein kann.
Somit, obwohl das reine Selbst betrachtet wird, getrennt von den Charakteristiken des empirischen Bewusstseins zu sein, sollte es nicht von allen Attributen abgesondert werden, wie es durch die Vedântin gemacht wird. Die Vedântin verlassen sich auf die Tatsache, dass die Charakteristiken und Attribute des empirischen Ego gänzlich fremd zu der Wesensart des Höchsten Selbst sind, berechtigterweise das Höchste Selbst ziemlich jenseits der empirischen Eigenschaften stellt. Swâmi Kunda Kunda betont auch die gleiche Tatsache, wenn er sagt, dass alle anderen mentalen Attribute gänzlich fremd zu „mir“ sind. Diese berechtigte Aberkennung der empirischen unreinen Attribute zum Höchsten Selbst wird unmittelbar gefolgt durch die Aussage der Attribute von reiner Wahrnehmung und Wissen, welche im Höchsten Selbst vorhanden sind, selbst nach Übertreffen der empirischen Wesensart. Natürlich sollte es nicht missverstanden werden, dass diese Eigenschaften von Wahrnehmung und Wissen das Selbe sind, wie der Ablauf von wahrzunehmen und zu wissen verbunden mit dem empirischen Ego. Im letzteren Fall obwohl die Eigenschaften durch die gleichen Namen genannt werden, sind sie völlig von physischen Bedingungen begrenzt. Wobei die reine Wahrnehmung und das reine Wissen mit dem Höchsten Selbst verbunden, die bedingungslose und unbegrenzte Manifestation des Höchsten Selbst sind. Somit sollte es bemerkt werden, dass der Advaitin, obwohl er Gesellschaft mit Bhagavân Kunda Kunda auf eine beträchtliche Distanz im Pfad der metaphysischen Untersuchung hielt, schlussendlich die Gesellschaft verlässt und zu einem verschiedenen Ziel wandert. Somit kurz gesagt, das Höchste Selbst von Sri Kunda Kunda ist nicht das Gleiche wie das Höchste Selbst anderer Schulen.
Als nächstes wird es klargelegt, dass eine Person, die mit dieser Art von unterscheidendem Wissen ausgestattet ist, nicht fremde mentale Zustände seine eigenen zu sein betrachten wird.
300. Welcher weise Mensch die Wesensart des reinen Selbst kennend und alle durch fremde Bedingungen verursachten mentalen Zuständen verstehend würde die Worte äussern, „Diese sind mein?“
Dass das Selbst, welches sich mit den äusseren Objekten identifiziert, karmischer Bindung unterworfen ist, wird durch eine Schilderung aus gewöhnlichem Leben erklärt.
301. Er, der solche Verbrechen wie Diebstahl begeht, während unter dem Volk, wird durch Besorgnis und Furcht beunruhigt, „ich mag in jedem Augenblick als ein Dieb gefangengenommen werden.“
302. Aber jemand, der kein solches Verbrechen begeht, bewegt sich frei unter dem Volk, ohne irgendeine solche Besorgnis. Weil in seinem Fall kein Gedanke von Gefangennahme jemals aufkommt.
303. Gleichermassen das Selbst, welches schuldig ist, hat die Furcht immer, „Ich mag gebunden werden,“ wobei wenn schuldlos, fühlt das Selbst, „ich bin furchtlos und infolgedessen kann ich nicht gebunden werden.“
KOMMENTAR
Es ist das Gesetz des Staates, dass der Kriminelle ausfindig gemacht und bestraft werden sollte. Infolgedessen bewegt sich der Kriminelle, der Diebstahl begeht, in der Gesellschaft immer mit einem schuldigen Gewissen und schlussendlich mag er gefangengenommen, bestraft und eingekerkert gelangen. Wobei eine Person, die ehrbar ohne Eigentum anderer zu begehren, immer frei ohne Furcht gefangengenommen zu werden sich umherbewegt. Die gleiche Analogie ist im Fall von Selbst gültig. Das Selbst, welches den Fehler von fremde Charakteristiken wie sein eigen zu beanspruchen begeht, wird gebunden den Folgen davon zu begegnen – das heisst, karmische Bindung. Wobei das Selbst, das solche unreinen Zustände als fremde nicht anerkennt, das Privileg hat, frei von Bindung zu bleiben.
Als nächstes erklärt der Autor den Begriff aparâdha oder Schuld.
304. Samsiddhi (Erreichung), râdha (Hingabe zu Selbst), sidhi (Erfüllung), sâdbitam (Errungenschaft), âradhitam (Verehrung), sind synonym. Wenn die Seele ohne Hingabe zu Reinem Selbst ist, dass ist sie gewiss schuldig.
305. Wenn die Seele frei von Schuld ist, ist sie auch frei von Furcht. Somit das Ego verwirklichend, ist sie immer in Verehrung des Selbst beschäftigt.
Wie ist der reine fleckenlose Zustand des Selbst verwirklicht zu werden? Ist es durch konzentrierte Verehrung des Selbst oder durch die Ausübung von verschiedenartigen Arten von moralischer Disziplin, solche wie pratikramaṇa, usw.? Die Antwort wird unten gegeben.
306. Pratikramaṇa (Reue für vergangenes Missverhalten), pratisaraṇaṁ (Ausübung des Guten), parihâra (Ablehnung des Bösen), dharaṇâ (Konzentration), nivritti (Enthaltung von Anhaftung an äusserliche Objekte), nindâ (selbst-Kritik), garhâ (Bekennen vor dem Meister) und śuddhi (Reinigung durch Abbüssung), diese acht Arten bilden den Gifttopf.
307. Nicht-Reue für vergangenes Missverhalten, nicht-Ausübung des Guten, nicht-Ablehnung des Bösen, nicht-Konzentration, nicht-Enthaltung von Anhaftung an äusserliche Objekte, nicht-Selbstkritik, nicht-Bekennen vor dem Meister, und nicht-Reinigung durch Abbüssung, diese acht Arten bilden den Nektartopf.
KOMMENTAR
Diese zwei gâthâs durch ihre paradoxe Aussage, werden ein Schock sein aus dem gewöhnlichen Gesichtspunkt. Im Fall eines empirischen Selbst müssen die unkontrollierten Gefühlsanstürme unter Beschränkung gehalten werden. Um diesen Zweck zu erreichen werden die acht Arten von Disziplin, pratikramaṇa, usw. nötig und wünschenswert. Da sie die Erreichung von Gut fördern, müssen sie gesagt werden den Nektartopf zu bilden. Wobei das Fehlen der achtfachen Disziplin die Gegenteile bilden müssen, das heisst der Gifttopf, da es ein freies Loch zu Böse gibt. Diese gewöhnliche Beschreibung wird in den zwei gâthâs durch Sri Kunda Kunda umgekehrt. Er ist über das übersinnliche Selbst denkend, welches ganz jenseits des Bereichs von Gut und Böse ist. Infolgedessen ist die Frage von Disziplin oder nicht-Disziplin bedeutungslos. Und infolgedessen im Fall des höchsten reinen Zustands des Selbst, zu sprechen von pratikramaṇa, usw. in diesem Zustand wird ein positives Böse werden. Infolgedessen betrachtet der verehrte Autor die verschiedenen Arten von moralischer Disziplin Dinge vermieden zu werden zu sein und nennt sie Gifttopf. Was ist dann die Bedeutung des Gegenteils, apratikramaṇa, usw., welche beschrieben sind, den Nektartopf zu bilden? Hier impliziert der Begriff apratikramaṇa nicht das blosse Gegenteil von pratikramaṇa. Das blosse Gegenteil von pratikramaṇa würde implizieren, die disziplinarische Handlung zu entfernen und freien Zugang zu den unreinen Gefühlen zu Fokus der Aufmerksamkeit zu geben. Das würde positive Degradierung Selbst sein. Infolgedessen würde diese Interpretation des Begriffs unanwendbar zum reinen Selbst im übersinnlichen Bereich sein. Deshalb muss der negative Präfix in den Worten apratikkramaṇa, usw., genommen werden, die Abwesenheit der Notwendigkeit die Disziplin auszuüben bedeuten. Wenn das Selbst in seiner eigenen reinen Wesensart durch den yogischen samâdhi zu erlangen absorbiert wird, gibt es einen vollen Stopp zu den Reihen von unreinen psychischen Zuständen, Charakteristik des empirischen Selbst. Infolgedessen gibt es keine Notwendigkeit die verschiedenartigen Arten von Disziplin auszuüben. Das wahrliche Fehlen jener disziplinaren Ausübungen erzeugt spirituellen Frieden, der am Verstand vorbeigeht. Es ist in dieser Stufe wo der Nektartopf ist. Solch ein spiritueller Friede impliziert notwendigerweise spirituelle Wonne, welcher die Charakteristik des Höchsten Selbst ist.
Somit endet das Kapitel von mokṣa.
Hier verlässt mokṣa die Bühne.