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# 27

 

Wenn die Frauen Moksa nicht erreichen können, da Kleidung [sie tragen]. . .

 

Nun, [die Gegner] könnten behaupten, dass weil Frauen Kleidung besitzen, können sie nicht Moksa erreichen. Leute wie Haushälter, die mit Besitz verwickelt sind, erreichen Moksa nicht. Wenn es nicht der Fall wäre, [dass das Tragen von Kleidung gleichbedeutend ist mit Besitz zu haben], dann könnten selbst Männer [d.h., Mönche] Kleidung tragen und auf sie zu verzichten wäre bedeutungslos [um Moksa zu erreichen].

 

# 28 [Yapaniya:] Das ist nicht so.

 

[Dann] können sie daruf verzichten.

 

Wenn [wie ihr behauptet] Nirvana unerreichbar ist wegen Kleidung [tragen], und durch den Verzicht auf sie Nirvana erreichbar ist, dann wäre es doch zulässig [für Frauen] auf [jene Kleider] zu verzichten. Kleidung ist nicht notwendig Leben zu erhalten und sogar auf [jemandes eigene] Leben selbst kann verzichtet werden [in der Jagd auf Nirvana] - wie viel mehr so im Fall von bloßer Kleidung? Wenn moksa nur erreicht wird in der Abwesenheit jener [Kleidung], dann welche dumme Person für Moksa strebend würde Moksa verlieren, nur um Kleidung zu behalten?

 

# 29

 

Aber sicherlich ist es nicht gestattet, sie aufzugeben.

 

[Die Gegner][1] könnten sagen: Nun es wird in der Schrift gesagt: "Es ist nicht zulässig, dass eine Nonne ohne Kleider gehen mag" [Brhatkalpa, V, 26]. Damit haben die Zuständigen [die Arhats] den Verzicht von Kleidung durch Frauen verboten. Daher, selbst wenn auch auf Kleidung verzichtet werden kann, da Frauen solcher Verzicht nicht gestattet ist, können sie nicht ins Nirwana gelangen.

 

# 30 [Gegner:] Nun, sollte sie die Worte der Zuständigen ignorieren und [auf Kleidung] verzichten, denn, im Zuwiderhandeln zu den Schriften, würde [ihr obliegendes] Verhalten nicht erfüllt werden - denn sicherlich bedeutet [gutes] Verhalten, gemäss den Anordnung der Zuständigen zu handeln. Damit [für eine Frau, die auf ihre Kleider verzichtet gibt es, im Gegenteil,] absolut kein Erlangen von Nirwana.

 

# 31 [Yapaniya:] Also:

 

[Lasst Kleider betrachtet werden] als Voraussetzung für Mukti [d. h., Moksa], wie ein Wedelbesen.

 

Da die Herren Arhats, die Führer auf dem Weg zu Moksa, anordneten, dasss Frauen Kleidung tragen sollten, und ihnen verboten auf Kleidung zu verzichten, dann muss zugegeben werden, dass Kleider eine Voraussetzung für Moksa, wie ein Wedelbesen sind (pratilekhana).[2]

 

 

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[1] Es ist zweifelhaft, ob der "Gegner" hier auch ein Digambara ist, da die zitierte Schrift nur im Svetambara Brhatkalpa gefunden wird. Zu meinem besten Wissen gibt es keine noch erhaltene Digambara Schrift die ausdrücklich, dass das Gelübde von Bettler-Nacktheit von einer Frau verbietet. Aber ein solches Verbot muss zu ihrer Überlieferung gehört haben, wie aus der folgenden Aussage des Digambara Acarya Virasena (ca. 817) abgeleitet werden kann; in seinem Kommentar genannt Dhavala über die Satkhandagama (zitiert in JSK Ill, S. 597, aus der Dhavala, XI, 4, 2,6-xii, 114, 11): na niggamtham atthi davvatthinam ca, celadipariccaena vina tasim bhavaniggamthabhavado. na ca. davvatthinavumsayavedenam celadiccago atthi, Chedasuttena saha virohado. („Es gibt keinen Zustand der völligen Bettelei [der Zustand eines Nirgrantha] für eine Person, die biologisch weiblich ist, da es keine innere Freiheit von allen Anhaftungen ohne den Verzicht auf solche externe Eigenschaften wie Kleidung und so weiter. Noch ist die Aufgabe der Kleidung und so weiter [erlaubt] für diejenigen, die biologisch weiblich oder hermaphroditisch sind, da diese [Nacktheit] im Gegensatz zu den Chedasutra [das Digambara Buch der Bettler Disziplin, das nicht mehr vorhanden ist] steht.")

Es mag in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass der zwölfte Jahrhundert Digambara Laie Asadhara, in seinem Handbuch für den Laien genannt Sagaradharmamrta, erwähnt, dass eine Nonne (den er auch nur betrachtet, eine erweiterte Laiin und keine "Bettlerin" zu sein) kann, wenn sie dies wünscht, gestattet werden, das Gelübde der Nacktheit zu übernehmen, wie ein Mann, in den letzten Augenblicken ihres Lebens, als Teil ihres sallekhana Rituals (freiwilliges Fasten bis zum Tod, siehe JPP, S. 227-233): yad autsargikam anyad va Lingam uktam jinaih, striyah pumvat tad isyate, mrtyukale svalpikrtopadheh (VIII, 38). Asadhara ist zweifellos hier einer sehr alten Überlieferung in der alten erhaltenen Bhagavati-Aradhana gefolgt: Itthivi jam ya limgam dittham ussaggiyam va idaram va, tam taha Hodi hu limgam parittam uvadhim karemtie (Vers 81). Ich bin von Digambara Gelehrten informiert, dass dieser Vers nicht als eine Sanktion für die Nacktheit ausgelegt werden sollte, da die sterbende Nonne in strengem Alleinsein bleiben muss, und darüber hinaus, dass ihre Gelübde dadurch nicht die Mahavratas (grossen Gelübde) eines Digambara Mönchs werden, denn die mit dem weiblichen Körper verbundene biologische Unfähigkeit kann nicht entfernt werden. Darüber hinaus ist Acarya Sivakoti, der Autor der Bhagavati-Aradhana,  wie bereits in Abschnitt (v) gesehen, wahrscheinlich ein Yapaniya Bettler und stellt daher nicht unbedingt die übliche Digambara Position dar, wie ausgedrückt in der Sutraprabhrta (siehe Kapitel I oben), von Kundakunda und der Dhavala von Virasena.

[2] In der heutigen Zeit wird der Wedelbesen aus Wollbüscheln (so genannte rajoharana) oder Pfauenfedern (so genannte Pinchi) gemacht; diese werden von Bettlern der Svetambara und beziehungsweise Digambara Sekten, verwendet.