Seite XXXVI Jainismus Inhalt gesamte Vorlesung Âkârâṅga Sûtra und Kalpa Sûtra
Existenz." Die Überlieferung der Gainas erscheint Herr Barth gebildet worden zu sein von vagen Erinnerungen in Nachahmung der Buddhistischen Überlieferung.
Herr Barth scheint seine Theorie auf der Annahme abzustützen, dass die Gainas achtlos im Herabreichen ihrer heilige Kunde gewesen sein müssen, da sie für viele Jahrhunderte prägten, aber eine kleine und unbedeutende Sekte. Ich kann nicht die Stärke dieses Arguments von Herrn Barth erkennen. Ist es wahrscheinlicher, dass eine Sekte, deren nicht sehr zahlreiche Anhänger über ein großes Land verstreut sind, oder eine Kirche, welche die religiösen Bedürfnisse einer großen Schar zu befriedigen hat, seine ursprünglichen Lehren und Überlieferungen besser bewahren werden? Es ist unmöglich diese Frage auf à priori Gründen zu entscheiden. Die Juden und die Parsen können als Beispiele erbracht werden für die erstere Ansicht, die römisch-katholische Kirche als eine zugunsten der letzteren. Aber wir sind nicht verpflichtet uns auf solche Allgemeinheiten zu verlassen, um die strittige Frage in Bezug auf die Gainas zu entscheiden, denn sie waren so entfernt von nur matten Vorstellungen von ihrer eigenen Lehren zu haben, dass sie als Gründer von Schismen diejenigen verkündeten, die sich von der großen Masse der Gläubigen in vergleichsweise unwichtigen Details des Glaubens unterschieden. Diese Tatsache ist durch die Überlieferung über die sieben Sekten der Svetâmbaras belegt, bekanntgemacht von Dr. Leumann[1]. Auch die Digambaras, die sich wahrscheinlich im zweiten oder dritten Jahrhundert nach dem Nirvâna von den Svetâmbaras trennten, unterscheiden sich von ihren Konkurrenten nur wenig im Hinblick auf die philosophischen Lehren, doch waren sie dennoch stigmatisiert durch die letzteren als Ketzer wegen ihrer Verhaltensregeln. Alle diese Fakten zeigen, dass die Gainas, auch vor der Herausgabe ihrer heiligen Büchern, kein verwirrtes und unbestimmtes Glaubensbekenntnis hatten, welches geeignet gewesen wäre, verändert und durch übernommene Lehren von weit verschiedenen Religionen verunreinigt zu werden, sondern eines, in der selbst die kleinsten Details des Glaubens festgelegt waren.
Was über die religiösen Lehren der Gainas gesagt worden ist kann auch von ihren historischen Überlieferungen nachgewiesen werden. Denn die ausführlichen Listen der Lehrer, abgelegt in den verschiedenen Gakkhas[2], und jene in ihren heiligen