VERS 164 - 180                                                   ZURÜCK TITEL INHALT  VOR  PDF                     ÂŚRAVA ODER ZUFLUSS VON KARMA   KAPITEL 5     Samayasâra

 

Dann betritt Âsrava die Bühne.

 

164.                       Karmas im empirischen Selbst, solche wie falscher Glaube, nicht-Lehre, Seele-verschmutzende grobheitliche Gefühle, und psycho-physische Strukturen, mit ihren verschiedenartigen Unterarten sind hauptsächlich von zwei Klassen materiell (acetana) und psychisch (cetana), (dravya karma und bhâva karma). Die psychisch karmischen Abänderungen sind untrennbar vom Selbst.

 

165.                       Jene unreinen psychischen Abänderungen bewirken die materiellen karmas solche wie jñânâvaranîya (Wissen-verschleiernde), usw. Zu ihnen (jenen psychisch karmischen Abänderungen) ist das empirische Selbst mit den Charakteristiken von Anhaftung und Abneigung die Ursache.

 

KOMMENTAR

 

Der Zufluss von karma ist von zwei Arten, materiell und psychisch (dravyâsrava und bhâvâsrava) entsprechend den zwei Arten von karmas, materiell und psychisch.  Diese zwei bestimmen einander wechselseitig in der Form von nimitta kârau, instrumentaler Ursache. Die verschiedenartigen psychischen Abänderungen der unreinen Wesensart verursachen den Zufluss von materiellen karmas zum Selbst. Dies ist dravyâsrava. Wenn die materiellen karmas, so einfliessend, das Selbst beeinflussen, geben Sie Aufkommen zu frischen emotionalen Abänderungen, welche die bhâvâsrava bilden. Zu diesen psychischen Abänderungen von bhâvâsrava, ist das Selbst die upâdâna kâraa, substantielle Ursache.

Als nächstes wird es klargelegt, dass im Fall vom Richtigen Gläubigen gibt es weder âsrava, den Zufluss von karma, noch die darauffolgende karmische Bindung (bandha).

 

166.                       Zum Richtigen Gläubigen, da er den Zufluss von karmas blockiert, gibt es weder das Hereinkommen von karmas noch die darauffolgende Bindung dabei. Demzufolge frei von neuer karmischer Bindung bleibend, versteht er die vorhergehend gebundenen karmas (verschieden vom Selbst zu sein).

 

KOMMENTAR

 

Somit wird klargelegt, dass der richtige Gläubige fähig ist, den Zufluss von karmas zu verhindern.

Als nächstes wird klargelegt, dass Begehren (Begierde/Wunsch), Abneigung und Täuschung die Hauptursache von âsrava, den Zufluss von karmas, bilden.

 

167.                       Die psychischen Zustände gedanklich verbunden mit Begehren, usw., welche die Abänderungen von jîva sind, die Ursache von Bindung bilden; aber wenn vollständig frei von Begehren, usw., ist der psychische Zustand von der Wesensart von reinem Wissen, welches tatsächlich die Ursache der Zerstörung von karmas ist.

 

KOMMENTAR

 

Die gefühlsmässigen Zustände solche wie Anhaftung (Zuneigung), Abneigung und Täuschung entstellen vollständig die Wesensart des Selbst und wird somit gedanklich verbunden mit nicht-Wissen (engl. nescience; von lat. ne-sciere=nicht-zu-wissen). In diesem unreinen Zustand zieht das Selbst karmische Partikel an, welche gebunden mit dem Selbst gelangen gerade wie ein Magnet eiserne Nadeln zu sich anzieht. Wenn diejenigen gefühlsmässigen Zustände nicht vorhanden sind, zieht das ungestörte Selbst in seiner Wesensart karmische Partikel nicht an. Infolgedessen gibe es keine Gelegenheit von Bindung auf seine Veranlassung. Somit sichert Wissen Freiheit von Bindung und das Fehlen davon bringt unvermeidlich Bindung herbei.

 

168.                       Wie eine (von einem Baum) gefallene reife Frucht nicht wieder zum Stengel angeheftet werden kann, so wenn die psychisch karmischen Abänderungen im Selbst abfallen, können sie das Selbst nicht mehr binden, noch tätig werden.

 

KOMMENTAR

 

Somit wird es betont, dass es zum Selbst, mit richtigem Wissen, keine bhâvâsrava (Zufluss von psychischen karmas) gibt.

Als nächstes wird es ausgesagt, dass es zum wissenden Selbst kein dravyâsrava oder auch nicht materiellen karmischen Zufluss gibt.

 

169.                       Im Selbst bleiben die alten karmas mit richtigem Wissen nur mit dem karmischen Körper zusammengeschlossen, wie ein Erdklumpen ohne irgendeine Wirkung auf das Selbst.

 

KOMMENTAR

 

Die vorhergehende karmische Bindung wurde durch nicht-Wissen, Fehlen von richtigem Wissen im Selbst bewirkt. Vorhandensein von nicht-Wissen erzeugt unreine psychische Zustände, welches den Zufluss von karmieschen Materien erleichtert. Demnach sind es in diesem Fall beide, die bhâvâsrava und dravyâsrava. Aber wenn nicht-Wissen verschwindet, gewinnt das Selbst seine wahre Wesensart von reinem Wissen wieder, und die unreinen psychischen Zustände haben keine Gelegenheit aufzutreten; wenn diese nicht auftreten, gibt es keine Gelegenheit für frische karmische Materien einzufliessen. Somit isst das Selbst nur mit den vorherigen karmischen Materien zurückgelassen, welche hineingelangten, als günstige psychische Zustände vorhanden waren. Infolgedessen bleiben sie nur Teil und Paket des kârmâa śarîra, absolut unfähig irgendeinen entsprechenden psychischen Zustand zu erzeugen. Somit im Fall des wissenden Selbst, das Selbst mit reinem Wissen, sind beide der âsravas, psychische und materielle, nicht vorhanden.

 

170.                       Die vier ursprünglichen karmischen Bedingungen, mit ihren mannigfaltigen Unterteilungen, binden die Seele jeden Augenblick, wie durch passende unreine Eigenschaften von Wissen und Wahrnehmung bestimmt. Infolgedessen wird das Selbst mit richtigem Wissen durch sie nicht gebunden.

 

171.                       Wenn die erkennende Eigenschaft des Selbst auf ihrer niedersten Stufe ist, ist es an alternativen fremden Abänderungen, ob gute oder schlechte, ausgesetzt. Deshalb wird das Selbst in jedem Fall der Binder von karmas genannt.

 

KOMMENTAR

 

Wissen ist die wesentliche Eigenschaft des Selbst. So lange wie diese Eigenschaft stark und intensiv ist, ist das Selbst unangreifbar durch äusserliche Einflüsse, aber wenn diese Eigenschaft an ihrem schwächsten Punkt ist, wird das Selbst leicht durch fremde Bedingungen beeinflusst. In diesem Fall wird das Selbst verändert gelangen aus ihrer eigenen eigentlichen Wesensart, gemäss der Wesensart des guten oder schlechten Einflusses. In jedem Fall wird das Ergebnis Bindung sein, obwohl es betont ist, dass beide, śubhabhâva und beziehungsweise aśubha-bhâva zu puya und pâpa führen, welche beide zu âsrava und bandha führen. Aber śuddha-bhâva allein vermeidet âsrava und bandha.

 

172.                       Wenn die Manifestation von Richtigem Glauben, Richtigem Wissen, und Richtigem Verhalten an seinem Niedersten ist, das Selbst, der Wisser, wird durch verschiedenartige Arten von (guten) karmischen Materien gebunden.

 

KOMMENTAR

 

Das Selbst ist hier im Besitz von ratnatraya, den drei Juwelen. Da die drei Juwelen in einem sehr niedrigen Leistungsgrad sind, wird Bindung des Selbst ausgesagt und doch sind die karmas, die es binden wollen nur die puya karmas, karmische Materien vom guten Typus, fähig Glück zu erzeugen.

 

173.                       und 174. Gerade wie zu einer Person seine Kind-Frau[1] unpassend für Genuss ist, aber wenn reif geworden, ist sie passend für Genuss und zieht seine Aufmerksamkeit an, so auch im Fall eines richtigen Gläubigen: all die vorhergehend gebundenen karmischen Bedingungen, obwohl vorhanden, beginnen erst wenn sie reif geworden sind tätig zu werden und dann erzeugen sie entsprechende psychische Zustände durch welche sie das Selbst binden.

 

175.                       Im Fall des richtigen Gläubigen bleiben die vorhergehend gebundenen karmas, solche wie jñânâvaraîya, unwirksam solange wie sie latent sind, aber wenn sie durch die Instrumentalität von psychischen Zuständen, solchen wie Anhaftung, wirkungsvoll und tätig werden, binden sie das Selbst in sieben Arten, (ausgenommen des Alters-karma) oder in acht Arten.

 

176.                       Im Fall des richtigen Gläubigen ist der karmische Zufluss des gegenteiligen psychischen Zustands nicht vorhanden. (Wenn dies nicht vorhanden ist), sind die verbleibenden karmischen Bedingungen, (da sie unfähig von zu sasâra führenden Bindung zu erzeugen sind), erklärt nicht-Binder zu sein. Wegen diesen Gründen wird der richtige Gläubige gesagt, nicht-Binder zu sein.

 

KOMMENTAR

 

Als ein allgemeiner Grundsatz ist es aufrechterhalten, dass die materielle karmische Bindung, selbst obwohl beim Selbst vorhanden, unfähig von es zu binden sind, bis es erleichterte Gelegenheit gibt, welche Gelegenheit geliefert wird durch das Erscheinen von psychischen Zuständen solche wie Anhaftung. Somit ist der psychische Zustand, das heisst, der sine quo non[2] von karmischer Bindung. Im Fall vom richtigen Gläubigen ist diese notwendige Bedingung nicht vorhanden; wenn dies nicht vorhanden ist, werden selbst die vorhergehend gebundenen karmas unwirksam. Wenn diese karmischen Bedingungen unwirksam werden und wenn es keine Veränderung von frischem Zufluss von karmischen Partikeln gibt, kann das Selbst sehr gut erklärt werden, ohne Bindung zu sein. (Im Fall von vîtarâga sayakdṛṣṭî) ist es da absolut frei von karmischen Zuständen von Anhaftung, usw., ist es notwendigerweise ungebunden genannt, aber im Fall von sarâga-sayakdṛṣṭî, da die unreinen psychischen Bedingungen nicht vollständig vertilgt worden sind, ist der Name immer noch in einem bildlichen Sinn anwendbar.

 

177.                       Im Fall des richtigen Gläubigen des höheren oder (vîtarâga) Typus gibt es keinen Zufluss von psychischen Zuständen in Bezug auf Begehren, Abneigung, und Täuschung. Infolgedessen können neben dem psychisch karmischen Zufluss, die materiellen karmischen Bedingungen nicht Bindung erzeugen.

 

178.                       Die vier ursprünglichen karmischen Bedingungen werden gesagt, die Ursache der acht karmas, solchen wie jñânâvaraîya, zu sein. Zu diesen karmas Bedingungen bilden die psychischen Zustände, solche wie Begehren, usw. die Ursache. Wenn diese psychischen Zustände nicht vorhanden sind, können die karmisch materiellen Bedingungen das Selbst nicht binden.

 

179.                       und 180. Gerade wie Essen durch eine Person in gedanklicher Verbindung mit Magenhitze (verdauungsfördernde und anpassende Funktion) in verschiedenartige Arten solche wie Fleisch, Fett, Blut, usw. umgewandelt wird, so auch im Fall vom Selbst, die vorherig gebundene karmische Bedingung (obwohl von gleichförmigen materiellen Typus im Beginn) umgewandelt in verschiedenartige karmische Abänderungen zur Zeit der Bindung gelangt. Dies ist im Fall des Selbst wahr, ohne den reinen Gesichtspunkt.

 

KOMMENTAR

 

Somit wird es klargelegt, dass das Aufgeben des reinen Gesichtspunkts oder śuddhanaya âsrava oder karmischen Zufluss bewirkt, wobei die Übernahme von ihm nir-âsrava, das Aufhören des Zuflusses bewirkt.

Damit endet das Kapitel über âsvrava.

Somit verlässt âsrava die Bühne.


 

[1] In der indischen Gesellschaft (sowie auch in islamischen Ländern, usw.) ist es auch heute noch (2010 n.Chr.) nicht unüblich, dass Kinder schon für eine spätere Heirat ausgewählt sind, was man geläufig „arrangierte Ehe“ nennt. AΩ

[2] Latein: „Bedingung, ohne die nicht“