Seite XLV Jainismus Inhalt gesamte Vorlesung Âkârâṅga Sûtra und Kalpa Sûtra
früherer[1]; und es ist sicher nicht durch Zufall, dass gesagt ist, dass die Kenntnis der Pûrvas zur gleichen Zeit als die Angas durch die Saṅgha von Pâtaliputra gesammelt wurden, begonnen hat zu entschwinden. Denn nach Bhadrabâhu waren nur zehn von den vierzehn Pûrvas bekannt.
Das ist dann die natürlichste Auslegung, die wir auf die Überlieferung über die vierzehn Pûrvas aufstellen können, dass sie die ältesten heiligen Bücher waren, die jedoch durch einen neuen Kanon ersetzt wurden. Aber im Hinblick auf die Ursache für die Abschaffung des alten Kanons und die Zusammensetzung eines neuen, sind wir überlassen zu vermuten, und nur als solches möchte ich meine Ansicht geben. Wir wissen, dass die Dritshivâda, welche auch die vierzehn Pûrvas einschlossen, befassten sich hauptsächlich mit der drishtis oder philosophischen Stellungnahmen der Gainas und anderer Sekten. Der Titel pravâda, der dem Namen von jedem Pûrva beigefügt ist, scheint diese Ansicht zu bestätigen. Außerdem, wenn Mahâvîra nicht der Gründer einer neuen Sekte war, sondern wie ich versucht habe zu beweisen, der Reformator einer alten, ist es sehr wahrscheinlich, daß er die Meinungen der Gegner energisch bekämpft haben wird und jene die er hatte verteidigt oder verbessert. Der Gründer einer Religion hat sein eigenes System aufzubauen, er ist nicht so sehr in Gefahr, zu einem bloßen Polemiker zu werden als ein Reformer. Nun, wenn die Diskurse von Mahâvîra, durch seine Jüngern erinnert und weitergereicht, vor allem Streitfragen waren, müssen sie ihr Interesse verloren haben, wenn die Gegner von Mahâvîra gestorben und die von ihnen geleiteten Sekten erloschen waren. Konnten sich solche Wortstreitigkeiten über philosophischen Fragen, die nicht mehr von irgendeiner praktischen Wichtigkeit waren, und Zankereien von Geistlichen nahezu vergessen, auch wenn diese Dinge von höchstem Interesse für die zeitgenössische Welt waren, als einen Kanon für spätere Generationen dienen, die in gründlich veränderten Umständen lebten? Das Bedürfnis eines Kanons angepasst der Erfordernis der
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[1] Die Gainas erklären die Bedeutung des Wortes pûrva folgendermassen. Der Tîrthakara selbst lehrte die Pûrvas seinen Anhängern, den Ganadharas. Die Ganadharas dann verfassten die Aṅgas. Es gibt bewiesenermassen einige Wahrheit in dieser Überlieferung, da es nicht mit dem Dogma der Aṅgas übereinstimmt schon durch den ersten Tîrthakara gelehrt zu werden. Siehe Weber, Indische Studien, XVI, S. 353