VERS 7 ZURÜCK INHALT VOR CHARAKTERISTIKEN VON JÎVA THEMA 2 Dravya-Saṃgraha
7. Gemäss Niśchaya Naya ist Jîva ohne Form, weil die fünf Arten von Farbe und Gemschmack, zwei Arten von Geruch und acht Arten von Berührung nicht in ihr vorhanden sind. Aber gemäss Vyavahâra Naya hat [Jîva] Form durch Bindung [von Karma].
KOMMENTAR
Jîva ist natürlich unsichtbar, aber „wenn die Seele durch die Leidenschaften attackiert wird…nimmt es über die Pudgala (materielle) Teilchen, passend für die Bindung der Karmas, genau wie ein erhitzter Eisenball Wasserpartikel aufnimmt in welcher er eingetaucht wird. Dies ist die Bindung der Karmas.“[1] Demzufolge „wird die natülich unsichtbare Seele in einer sehr feinstofflichen Art mit sichtbarer, verständlicher Materie vermischt und wird in einem Sinn dabei sichtbar wiedergegeben, wie Zitronensaft süss wiedergegeben wird durch das Hinzufügen von Zucker und Wasser. In seinem reinen Zustand ist die Seele [Jîva] unsichtbar, genauso wie in sich selbst Zitronensaft sauer ist“.[2]
Wir sollten uns deshalb erinnern, dass, gemäss dem Jaina Glauben, Jîva in seinem natürlichen oder wirklichen Zustand unsichtbar ist. Aber es verbindet mit Pudgala oder Materie. Diese Kombination ist die Bindung (Bandha), welche Karmas erzeugt. Wenn Jîva so sich selbst mit Pudgala (Materie) verbindet, lässt sie ihren unsichtbaren Zustand zurück und wird uns sichtbar. Es ist Pudgala (Materie), welche Gestalt hat und wenn sich Pudgala mit Jîva verbindet, werden dem Geschmack, Farbe, Geruch und Berührung des ersteren, welche die Vorbedingungen ihrer Gestalt sind, der wirklich gestaltlosen Jîva zugeschrieben und wir sagen, dass Jîva Gestalt hat. Jede Gestalt weltlichen Lebens, welche wie wir sehen, ist ein Jîva in seinem unreinen und sichtbaren Zustand in Verbindung mit Pudgala. Deshalb, gemäss Vyavahâra Naya ist dies zu sagen, aus einem gewöhnlichen oder Menschenverstandgesichtspunkt können wir sagen, dass Jîvas Gestalt haben, aber wir müssen uns erinnern, dass gemäss Niśchaya Naya oder dem wirklichkeitsgetreuen Standpunkt, Jîvas ohne Gestalt sind.
Brahmadeva zitiert in seinem Kommentar einen Vers, um diese Ansicht zu unterstützen:
„In Bindung ist [Jîva] eins [mit Pudgala], aber wirklich gemäss Definition ist sie getrennt [von Pudgala]. Infolgedessen gehört Gestaltlosigkeit nicht immer zu Jîva.“
Pudgala wird gesagt Berührung, Geschmack, Geruch und Farbe zu besitzen.[3] Obwohl diese Eigenschaften wirklich untrennbar von Pudgala sind, sprechen wir von ihnen vom gewöhlichen Standpunkt als getrennt von Pudgala.[4] Farbe sind von fünf Arten, nämlich Blau (Nîla), Gelb (Pîta), Weiss (Śukla), Schwarz (Kṛiṣna), und Rot (Lohita).[5] Die Verschiedenartigkeiten von Geschmack sind Bitter (Tikta), Sauer (Katu), Acid (Amla), Süss (Madhura) und Astringent/Herb (Kaṣâya).[6] Gerücke sind von zwei Arten, Wohlriechend (Surabhi) und sein Gegenteil (Asurabhi). Die acht Arten von Berührung sind Weich (Mṛdu), Hart (Kaṭhina), Schwer (Guru), leicht (Laghu), Kalt (Śîta), Heiss (Uṣṇa), Glatt (Snigdha) und Rauh (Rûkṣa).[7]
Der Kommentator sagt, dass der Autor in diesem Vers die Formlosigkeit von Jîva errichtet, welche gegensätzlich zu der von (Kumarila) Bhatta (und seinen Anhängern) und Chârvâka gehaltenen Ansichten ist. Chârvâka erkennt nichts als was fähig ist durch die Sinne wahrzunehmen, infolgedessen ist eine gestaltlose Jîva im Gegensatz zu seiner Lehre.
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[1] A.B. Latthe, „An Introduction to Jainism“, Seiten 9-10
[2] Herbert Warren „Jainismus“, Seiten 10-11
[3] Tattvârthâdigama Sûrtra V. 28
[4] Zitat in indischen Schriftzeichen
[5] Tattvârtharâjavârttika Nr. 10 über Sûtra V. 23
[6] Tattvârtharâjavârttika Nr. 9 über Sûtra V. 23
[7] Tattvârtharâjavârttika Nr. 7 über Sûtra V. 23